Altmaier: Bürger sollen an Stromleitungen profitieren

12.11.12  06:30 | Artikel: 954772 | News-Artikel (Red)

Altmaier: Bürger sollen an Stromleitungen profitieren
Bundesumweltminister Peter Altmaier
3In einem Interview mit dem Tagesspiegel nannte Bundesumweltminister Peter Altmaier die Möglichkeit für Bürger, sich am Netzausbau zu beteiligen. Um die 5 Prozent Rendite sollen dabei garantiert sein.

Altmaiers Plan ist ehrgeizig: Noch vor der Bundestagswahl 2013 möchte er die Möglichkeit umsetzen.

»Die Kosten der Energiewende sind – über die Strompreise – sehr gleichmäßig auf die meisten Stromverbraucher verteilt. Die Möglichkeiten zur Wertschöpfung sind aber bisher wenigen vorbehalten. Eine Solaranlage auf dem Dach setzt voraus, dass Sie ein Dach haben und das notwendige Kleingeld.«

Dabei spricht Altmaier von einem Darlehen ab 500 EUR mit einem garantierten Zinssatz von etwa fünf Prozent. Damit wären auch Menschen mit geringen Einkommen in der Lage vom Netzausbau und der Energiewende zu profitieren. Vor allem den Betroffenen, bei denen neue Leitungen durch den Vorgarten gehen, möchte Altmaier so entgegenkommen. Eine Art von "erkaufter Zustimmung" sieht Altmaier indes nicht.

»Niemand ist gezwungen, sich zu beteiligen. Jeder ist frei, gegen ein Projekt eine Bürgerinitiative zu gründen oder den Rechtsweg zu beschreiten. Aber wir sollten vermeiden, dass der Betreiber einer Windanlage im windreichen Norden profitiert und der Bezieher des Windstroms im industrialisierten Süden ebenfalls, die Menschen auf den 900 Kilometern dazwischen aber nur Scherereien haben mit Leitungen vor der Haustür. Auch sie müssen von den vielen Milliarden Wertschöpfung etwas abbekommen, die die Energiewende produzieren wird.«

Dänemark hat in der Vergangenheit bereits recht gute Erfahrungen mit dem Thema Bürgerbeteiligung machen können; hier waren Proteste beim Leitungsausbau deutlich geringer. In Deutschland wird die Situation vermutlich ein wenig anders zu sehen sein. Bislang ist noch nicht einmal final geklärt, ob der Leitungsausbau überhaupt in dieser Größenordnung notwendig ist. Die Politik spricht ja gerne über den Offshore-Ausbau, der allerdings nur von den großen Energieversorgern getragen wird. Die Länderchefs im Süden der Nation sähen lieber den regionalen und dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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