Axel Springer AG: Onlinegeschäft legt zu - Print stagniert

09.11.12  07:45 | Artikel: 954765 | News-Artikel (Red)

Axel Springer AG: Onlinegeschäft legt zu - Print stagniertDer Medienkonzern Axel Springer - unter anderen der Eigentümer der Bildzeitung - hat laut aktuellem Quartalsbericht weniger Zeitungen verkauft, dafür aber im Online-Geschäft kräftig zulegen können.
Für das Jahr 2012 gibt sich das Unternehmen sehr optimistisch.

Wegbrechende Erlöse im Printbereich haben dem Axel-Springer-Konzern im dritten Quartal ein Gewinn- und Umsatzminus beschert.

Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG gibt sich allerdings insgesamt optimistisch:

»Axel Springer nimmt nach neun Monaten Kurs auf ein neues Rekordjahr. Unsere digitalen Aktivitäten tragen mit Renditen im zum Teil hohen zweistelligen Bereich immer stärker zu unserem Konzernergebnis bei. Die inländischen Zeitungen und Zeitschriften blieben trotz konjunktureller Herausforderungen hoch profitabel. Allerdings lagen insbesondere die Print-Werbeerlöse im dritten Quartal am unteren Ende unserer Erwartungen. Wir verfolgen deshalb mit Nachdruck unsere bewährte Strategie, die Strukturen im deutschsprachigen Kerngeschäft systematisch auf das veränderte Nutzungsverhalten auszurichten und noch effizienter zu werden. Ein wesentlicher Schritt ist die vor kurzem angekündigte Redaktionsgemeinschaft der WELT-Gruppe, der BERLINER MORGENPOST und des HAMBURGER ABENDBLATTS.«

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank um 4,4 Prozent auf 150,6 Millionen Euro, der Umsatz reduzierte sich um 0,7 Prozent auf 787 Millionen Euro.
Axel Springer AG - Quartalsbericht 9M 2012 zum Download

Trotz der schlechten Zahlen hält Döpfner an der Vorhersage für das aktuelle Jahr fest, die dem Konzern ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich bringen sollen. Vor allem im Onlinegeschäft wird großes Potential gesehen. Seit Beginn des Jahres nahm der Konzern bereits mehr mit Online- als mit Print-Werbung ein. Springer plant außerdem, auch die Online-Leser seiner verschiedenen Angebote abzukassieren.

Noch in diesem Jahr soll das Online-Angebot von "Die Welt" kostenpflichtige Funktionen erhalten, später soll auch die "Bild" folgen.

Döpfner erhofft sich davon nicht nur direkte Vertriebserlöse, sondern will mit der Paid-Content-Schranke auch seine Werbeumsätze verbessern. Leser, die für Artikel bezahlen, hätten ein sehr viel größeres Interesse an dem Thema, argumentiert Döpfner. Daher sind sie für Werbekunden auch sehr viel wertvoller.

Im Klartext heißt das, dass vermehrt Online-Angebote des Unternehmens in Zukunft in Teilen kostenpflichtig werden. Trotz der anfallenden Gebühren wird vermutlich die nervige Banner- und andere Werbung eher noch zunehmen. Springer konzentriert sich damit zusehends auf die reinen Werbeeinnahmen, ohne sich um die Qualität der Produkte zu kümmern.

Der Geschäftsbericht zeigt eindeutig, das der Trend in Richtung Online geht und die Printausgaben an Boden verlieren. Das belegen die Zahlen des IVW regelmäßig.

Hier ist unter anderem der Grund zu erkennen, warum Vorreiter Springer so auf das Leistungsschutzrecht pocht und von den Suchmaschinen, vorrangig Google, Gelder mit Hilfe der Regierung abkassieren möchte.

Der Leser mag sich in den letzten Jahren grundsätzlich verändert haben, aber wie es scheint versuchen viele Verlage, dies durch die reine Erhöhung von Anzeigenpreisen zu kompensieren. Reine kostenpflichtige, aber werbefreie Angebote, sind eher die Ausnahme.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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