Europäische AKW fallen reihenweise durch den Stresstest

08.10.12  05:00 | Artikel: 954660 | News-Artikel (Red)

In den letzten Tagen wurden die Ergebnisse des Stresstests für die Europäischen Atomkraftwerke bekannt. Nach dem Reaktorunfall in Fukushima hatten sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union darauf geeinigt, die Sicherheit der hiesigen Atomkraftwerke zu überprüfen. Dabei war der Stresstest der EU Kommission von Anfang heftig kritisiert worden. So fehlten insbesondere auf Betreiben Frankreichs besonders wichtige Untersuchungsgegenstände, wie terroristische Angriffe oder Abstürze von großen Verkehrsflugzeugen. Um so besorgniserregender ist, dass faktisch alle 145 AKW in der EU gravierende Mängel aufweisen. Insbesondere bei der Erbebensicherheit und den fehlenden Leitlinien bei großen Unfällen.

Gerade angeblich kleinere Mängel an Rohrleitungen oder der Hülle, wie sie in den letzten Jahren bei deutschen Reaktoren häufig aufgetreten sind, stellen ein großes Problem dar. Auch kleinere Erdbeben können entsprechende Gefahrenstellen verschlimmern. Doch dies ist aus Sicht der EU Kommission und der Betreiber eben kein Risiko, denn Risse gehören gar nicht zu den untersuchten Kriterien, geschweige denn deren zunehmende Gefahr durch Erdbeben.

Der Hinweis der Betreiber, dass alle Vorschriften eingehalten würden, kann überhaupt nicht beruhigen. So hat die Kernkraftlobby in den letzten Jahren nach dem 11. September 2011 erfolgreich verhindert, dass es überhaupt ausreichende Vorschriften für den Absturz großer Verkehrsflugzeuge gibt, dementsprechend gibt es auch keine ausreichende Sicherheitsauslegung. Auch terroristische Angriffe vom Boden, sind deshalb besorgniserregend, weil heutzutage auch solche Organisationen Waffen mit hoher Durchschlagskraft besitzen.

Auf die immer gleiche verantwortungslose Beschwichtigungsrhetorik der Betreiber kann es nur eine Antwort geben: Die AKW in Deutschland sollten schneller als geplant abgeschaltet werden. Dies kann auch leicht gelingen, da der Ersatz der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien viel schneller wächst als noch vor wenigen Jahren angenommen wurde. Genau da zeigt sich auch das Versagen der Bundesregierung. Statt wegen des Erfolges des schnellen Ausbaus der Erneuerbaren Energien eine schnellere Abschaltung der vom Stresstest bescheinigten unsicheren Atomkraftwerke in Angriff zu nehmen, will Umweltminister Altmaier gar den Ausbau aller Erneuerbaren Energien begrenzen, genau das, was er bei der Fotovoltaik schon geschafft hat.




Autor: Hans-Josef Fell, MdB

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell ist energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages seit 1998. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe.



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