Fell: Die Ideologie der stromintensiven Industrie

24.09.12  06:00 | Artikel: 954629 | News-Artikel (Red)

Fell: Die Ideologie der stromintensiven Industrie
Hans-Josef Fell, MdB
Sprecher für Energiepolitik
der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen
In der Diskussion um eine steigende EEG-Umlage ist es vor allem die energieintensive Industrie, die sich am lautesten beschwert. Dabei profitieren diese Unternehmen sogar mehrfach von den Erneuerbaren Energien. So sind sie durch die schwarz-gelben Lobbygeschenke nicht nur fast komplett von der EEG-Umlage und den Netzentgelten befreit, sondern profitieren auch noch enorm vom Merit-Order-Effekt und dem damit verbundenen sinkenden Börsenstrompreis. Zudem geben die Erneuerbaren Energien neue Absatzmärkte, wie beispielsweise für die Aluminiumindustrie, die viele Aufständerungen und Rahmen für die Module liefert. Trotzdem hat die Branche die Erneuerbaren Energien als Staatsfeind Nr. 1 ausgemacht. Ein energieintensives Unternehmen hat nun aber eingestanden, die strompreissenkenden Effekte der Erneuerbaren unterschätzt zu haben.

So hat das Essener Aluminium-Hersteller Trimet für 2011 Verluste angemeldet – das erste Mal in der Unternehmensgeschichte. In der Wirtschaftswoche gab der Trimet-Chef Heinz-Peter Schlüter zu, dass das Unternehmen nach Fukushima langfristige und teure Stromlieferverträge abgeschlossen hätte und Schlüter nicht mit sinkenden Börsenstrompreisen durch die Erneuerbaren Energien gerechnet hätte: „Nach der Havarie des Atomkraftwerks im japanischen Fukushima im März 2011 und der darauf folgenden Abschaltung mehrerer AKWs in Deutschland sind die Strompreise schlagartig angestiegen, und wir haben mit weiter stark steigenden Strompreisen gerechnet“. Somit haben die Managementfehler angetrieben durch ideologisch orientierte Angst vor Strompreisanstiegen durch die Energiewende den Aluminiumhersteller Trimet in die Verlustzone getrieben

Ein anderes Aluminiumunternehmen nutzt den Erfolg der Erneuerbaren Energien und den sinkenden Börsenstrompreis in Deutschland sogar aktiv. So verdreifacht der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro die Jahresproduktion an seinem Standort in Neuss ab 2013 von 50.000 auf 150.000 Tonnen.

Damit ist von den beiden Aluminiumkonzernen selbst widerlegt, dass die Erneuerbaren Energien Strompreistreiber seien. Es wird höchste Zeit, dass die energieintensive Industrie ihre Propaganda gegen die Erneuerbaren Energien einstellt. Denn vor allem sie sind es, die enorm von der Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren Energien in Deutschland profitieren.




Autor: Hans-Josef Fell, MdB

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell ist energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages seit 1998. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe.



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