Navigant warnt vor dauerhaften Schwierigkeiten in der Solar-Industrie und Rückschlag für die Photovoltaik

06.09.12  06:35 | Artikel: 954586 | News-Artikel (Red)

Navigant warnt vor dauerhaften Schwierigkeiten in der Solar-Industrie und Rückschlag für die Photovoltaik
Paula Mints
principal analyst
Navigant Consulting
Wien, 03.2012
Das US-amerikanische Beratungsunternehmen Navigant hat seinen aktuellen Jahresbericht über die weltweiten Solar-Märkte veröffentlicht. Navigant stellt den Status Quo als 'deutliche Konsolidierung' dar. Sieben Jahre lang herrschten Kapazitätsausbau, aggressive Preisgestaltung und Streben nach Netzparität.

Im aktuellen Jahresbericht "Analysis of Worldwide Markets for Solar Products and Five-Year Application Forecast" wird beschrieben, dass die niedrigen Preise für Photovoltaik-Produkte zwar zu einem enormen Zubau geführt haben. Es wäre jedoch wahrscheinlich, dass Technologien und Anlagen mit geringerer Qualität die Folge wären. Die führe im Umkehrschluss wiederum zu einem Rückschlag für die Photovoltaik.

“Niedrige Systempreise und großzügige Einspeisevergütungen haben direkt dazu geführt, dass noch niedrigere Preise erwartet werden. Produktionskapazitäten wurden erweitert, und eine Flut neuer Solar-Unternehmen betrat den Markt; Die meisten davon rechneten mit großen Gewinnen“, sagte Paula Mints, die Solar-Forschungsdirektorin von Navigant.

“Für Technologieanbieter führte die Erwartung, dass die Preise immer weiter sinken, zu schmerzhaften Konsolidierungen und Insolvenzen. Weniger zu verkaufen und weniger Verluste zu machen wäre sicher im Interesse der Branche.“

“In der Vergangenheit war die Photovoltaik-Branche jedoch immer auf Wachstum aus, selbst wenn dieses Wachstum unrentabel war. Aber abgesehen davon wird die Solarenergie nicht verschwinden und eine wichtige Rolle im zukünftigen Energiemix spielen.“

Modulpreise sinken seit Jahren um fast 70%

Die Preise für PV-Module sind von 2,78 Euro pro Watt im Jahr 2007 auf 0,87 pro Watt im ersten Quartal 2012 gefallen. Der weltweite Ausbau der PV-Industrie wuchs während dieser Zeit von 3 auf fast 24 Gigawatt.

2009 haben Hersteller aus Taiwan und China mit einer aggressiven Preisgestaltung begonnen um Marktanteile zu gewinnen. Dies sei der Grund für den Preiseinbruch bei gleichzeitig großzügigen Einspeisevergütungen in Europa, heißt es im Bericht.

Da ein Ende der Förderprogramme erkennbar sei, müsse die Branche entsprechend angepasste und nachhaltigere Geschäftsmodelle entwickeln um überlebensfähig zu sein. Billiges Erdgas als Konkurrenz und weltwirtschaftliche Probleme würden zudem den Druck auf die Branche erhöhen.

Da diese Förderprogramme nun ihrem Ende zugehen, müsse die Branche nachhaltigere Geschäftsmodelle entwickeln, betont Navigant. Dieser Druck werde durch die weltwirtschaftlichen Probleme und Konkurrenz von billigem Erdgas noch verstärkt.

Wachstum in den nächsten fünf Jahren eher unwahrscheinlich

Stagnation oder Rückgang der gesamten Branche seien in den nächsten Jahren wahrscheinlich bei zu großen Produktionskapazitäten und Lagerbeständen bei gleichzeitig sinkender Förderung. Navigant geht für das Jahr 2013 von einer Marktgröße von gerade mal 25,8 Gigawatt aus.

Der Bericht beinhaltet Photovoltaik, solarthermische Kraftwerke (CSP) und Konzentrator-Photovoltaik. Er bezieht die künftigen Wachstumstreiber und -hindernisse sowie die politischen Faktoren mit ein, die die Branche beeinflussen.





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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