Leitartikel: Auswertung der EEG-Anlagenstammdaten: keine Verbesserung in Sicht

23.08.12  14:20 | Artikel: 954549 | Proteus Fach-Artikel

Leitartikel: Auswertung der EEG-Anlagenstammdaten: keine Verbesserung in SichtAnfang des Monats haben die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) die aktuellen EEG-Anlagenstammdaten für das Jahr 2011 veröffentlicht. Diese stehen in der aktuellen Version als CSV-Dateien zum Download zur Verfügung. Wie bereits bei den Daten für 2010 [1] haben wir diese mit den Daten der Vorjahre verglichen und entsprechende Auswertungen vorgenommen.

Sieht man sich die Daten genauer an, so ist erneut festzustellen, dass diese von denen der Bundesnetzagentur (BNetzA) in erheblichem Maße abweichen. Wie bereits in Zusammenhang mit anderen Artikeln veröffentlicht, erklärten die Übertragungsnetzbetreiber [4] (Tennet, 50hertz, Amprion, TransnetBw) in einer gemeinsamen Stellungnahme:

»Der Zeitversatz zwischen der Datenveröffentlichung bei der BNetzA und den ÜNB und den daraus entstehenden Abweichungen ist durch die BNetzA bereits zutreffend erklärt worden. Ergänzend möchten wir allerdings anmerken, dass die Verteilnetzbetreiber einem wesentlich größeren Erfassungsaufwand ausgesetzt sind. Zum einen werden bei der BNetzA nur die PV-Anlagen erfasst, während der VNB die Daten aller EEG-Anlagen erfassen muss und zum anderen muss der VNB die Daten in das eigene Abrechnungssystem integrieren und zum Datenaustausch mit dem ÜNB aufbereiten. Dieser "Veredelungsprozess" dürfte etwas zeitintensiver ausfallen als das Bereitstellen von Informationen.«

In der Tat sind im derzeitigen Datenbestand ca. 1,1 GW Anlagenleistung enthalten, die für die Jahre 2009 und 2010 nachgemeldet worden sind. Vermutlich bedingt durch den hohen Zubau im Jahr 2011 hinken die ÜNB hinter den erfassten Werten der BNetzA (bis inkl. 2011) um insgesamt ca. 4,37 GW Anlagenleistung hinterher.



kein Interesse an Veränderung

Durch diese unkonsistenten Daten beider Erfassungsinstitutionen lassen sich definitiv keine exakten Aussagen über die derzeit installierte Anlagenleistung in Deutschland machen. Diese können allenfalls als Richtwerte gesehen werden. Die Möglichkeit, Anlagendaten im Online-System der BNetzA einzutragen, obwohl diese nicht existent sind, wird allerdings sowohl von der Bundesregierung, als auch der BNetzA dementiert; trotz des Nachweises, das dies möglich ist. [3,4]

Recherchen innerhalb der Branche ergaben recht einheitlich das Bild, das niemand an der derzeitigen Situation etwas ändern möchte. Aus Kreisen der Übertragungsnetzbetreiber erfährt man, dass die Einrichtung eines zentralen - und womöglich korrekten - Anlagenregisters keinerlei Priorität erfährt, obwohl das Problem hinreichend bekannt sei. Rein technisch wäre das ja durchaus schnell und einfach realisierbar.

Vermutlich wird in diesem Fall Rücksicht auf die Verteilnetzbetreiber (VNB) genommen. Diese scheinen die Daten nur sporadisch und zögerlich an die ÜNB weiter zu melden. Laut o.g. Stellungnahme der ÜNB müssen die VNB die EEG-Anlagen in das eigene Abrechnungssystem integrieren. Dabei stellt sich allerdings die Frage, wie lange dieser Vorgang wohl dauert und wie beim derzeitigen, nachweisbaren Versatz von fast 30 Monaten die Anlagenbetreiber abgerechnet werden. Auch bei den VNB besteht das Abrechnungssystem wohl kaum nur aus MS Excel.



Zwischen den ÜNB und den VNB besteht auf Grund des Zeitmangels übrigens eine Vereinbarung, dass die VNB noch nicht erfasste Anlagen als "Dummy-Anlagen" in den Datenbestand integrieren und die Leistung als gut geschätzte Werte eintragen. Die Daten mögen gut geschätzt werden, da man unterstellen kann, das dies wohl Profis der Branche tun. Dies kann allerdings auf Dauer keine gängige Lösung sein, zumal gesetzliche Grundlagen die Veröffentlichung vorschreiben.

verkürzte Adressdatensätze sind rechtens

Wie bereits berichtet, unterscheiden sich die Daten der TransnetBw hinsichtlich der kompletten Standortangabe von denen der restlichen drei Unternehmen. TransnetBw hat in den aktuellen Daten auf die Veröffentlichung der genauen Adresse des Anlagenstandortes verzichtet; es werden nur Postleitzahlen und Orte veröffentlicht.

Auf Nachfrage bei TransnetBw hieß es, dass datenschutzrechtliche Gründe gegen die Veröffentlichung der kompletten Adresse sprächen. Hier läge eine entsprechende Erklärung des baden-württembergischen Innenministeriums vor. Eine Nachfrage beim Landesbeauftragten für Datenschutz im Innenministerium Baden-Württemberg (LfD), Jörg Klingbeil, bestätigte die Aussage der TransnetBw in wesentlichen Punkten. In diesem Bereich hätte es eine Beschwerde einer betroffenen Person gegeben, so dass dieser nachgegangen werden musste. Die BNetzA erklärte in dem Verfahren, dass eine Veröffentlichung der kompletten Adresse aus Sicht des Gesetzgebers nicht nötig sei und man die Datenmeldungen auch ohne Straßenangabe akzeptieren werde. In diesem Kontext beschloss die TransnetBw dann, die verkürzte Standortangabe zu veröffentlichen. Eine entsprechende Weisung des Datenschutzbeauftragten lag nicht vor, allerdings wird die Entscheidung dort begrüßt.

Fazit:

Die unterschiedlichen Datenquellen sind wieder einmal nicht miteinander vergleichbar und somit auch nicht in Richtung BNetzA verifizierbar. Die Agentur geht davon aus, dass alle Anlagendaten so in der Realität auch vorhanden sind. Außerdem werden dort nur Zugänge erfasst. Die ÜNB-Daten kennen jedoch auch Außerbetriebnahmen. Faktisch will niemand diesen Zustand ändern, außer vielleicht ein paar Idealisten.

Derzeit versuchen wir durch Stichproben einige der BNetzA-Zahlen durch verschiedene Anfragen bei Kommunalverwaltungen zu verifizieren, was allerdings eine Zeit lang dauern wird. Fraglich, ob bis dahin das EEG, bei der aktuellen politischen Diskussion, noch Bestand hat.

HINWEIS:
Die ÜNB werden in den nächsten Tagen die veröffentlichten Daten nochmals korrigieren und erneut veröffentlichen, da in der aktuellen Version noch Fehler festgestellt worden sind. Unsere Diagramme basieren schon auf den korrigierten Werten.
Die ÜNB haben soeben [23.8.12] die Daten nochmals in korrigierter Version zur Verfügung gestellt.

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[1] Leitartikel: Datenmeldungen von PV-Anlagen: Schlamperei oder Systemfehler?
[2] Datenchaos: Anfrage an die Bundesnetzagentur soll Klarheit schaffen
[3] Meldung von PV-Anlagen: Antworten von BNetzA und Regierung
[4] Meldung von PV-Anlagen: Stellungnahme der Übertragungs-Netzbetreiber




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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