abgeordnetenwatch.de: Altmaier zu Energiesparen und Elektromobilität

03.08.12  06:00 | Artikel: 954509 | News-Artikel (Red)

Abgeordnetenwatch ist eine Plattform auf der Politiker von Bürgern befragt werden können. Sich selbst beschreibt der Verein mit folgenden Worten:

"abgeordnetenwatch.de ist der direkte Draht von Bürgerinnen und Bürgern zu den Abgeordneten und Kandidierenden. "Bürger fragen - Politiker antworten" ist der Kern des Portals. Der öffentliche Dialog schafft Transparenz und sorgt für eine Verbindlichkeit in den Aussagen der Politiker. Denn alles ist auch Jahre später noch nachlesbar. Daneben werden auf abgeordnetenwatch.de das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten und ihre Nebentätigkeiten öffentlich."

Nicht selten werden Fragen an Politiker gestellt, die nie beantwortet werden; mitunter findet man jedoch recht oft ausfühliche Antworten, wie z.B. die von Bundesumweltminister Peter Altmaier.

Hier fragte ein User, warum denn E-Autos steuerlich gefördert werden, und das im Hinblick auf die Diskussion um Energiesparen und künftige Engpässe. Für das Jahr 2020 seien 2 Millionen E-Autos angepeilt. Wieviel zusätzlichen Strom würden diese verbrauchen und wo sollte dieser herkommen.

Peter Altmaier antwortete am 27.7.2012 wie folgt:

»[...] Der Deutsche Bundestag hat im Sommer 2011 mit breiter Mehrheit das Gesetzespaket zur Energiewende beschlossen. Die Sicherstellung einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und umweltverträglichen Energieversorgung ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Energiewende muss alle Bereiche unserer Wirtschaft umfassen, gerade auch den Straßenverkehr, der bislang nahezu vollständig auf Erdöl beruht. Elektromobilität ist eine Schlüsseltechnologie auf diesem Weg. Die Bundesregierung hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2020 eine Million Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen.

Elektroautos sind effizienter als Autos mit Verbrennungsmotoren: der energetische Wirkungsgrad von Elektromotoren liegt bei über 90 Prozent. Konventionelle Otto- und Dieselmotoren erreichen nur ein Drittel dessen, da die entstehende Wärme ungenutzt entweicht. Wegen des großen Effizienzvorsprunges von Elektroautos benötigen diese nicht besonders viel Strom: Eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen benötigen nur 0,3% des derzeitigen deutschen Strombedarfs. Dieser Zusatzbedarf entspricht weniger als der Hälfte des derzeitigen jährlichen Zuwachses an regenerativem Strom. Selbst 40 Millionen Fahrzeuge kämen mit 10 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus.

Dazu haben Elektroautos noch eine Reihe weiterer Vorteile: Sie stoßen während der Fahrt keinerlei Schadstoffe oder Treibhausgase aus. Dies ist in dicht besiedelten Stadträumen, die unter hoher Luftbelastung leiden, besonders vorteilhaft. Darüber hinaus arbeiten Elektromotoren deutlich geräuschärmer als ihre konventionellen Pendants und sorgen so bei niedrigen Geschwindigkeiten für mehr Lebensqualität von Anwohnern stark befahrener Straßen.

Die individuelle Mobilität ist (nicht nur) in Deutschland fast vollständig von Erdöl abhängig. Preisschwankungen und zum Teil instabile Importbeziehungen sorgen regelmäßig für hohe Benzinpreise und wirtschaftliche Verwerfungen. Antriebe auf elektrischer Basis vermindern diesen Effekt, denn ein Großteil des in Deutschland genutzten Stroms wird auch in Deutschland erzeugt.

Außerdem können Elektroautos auch als Netzpuffer genutzt werden: Das Stromnetz ist ein sensibles System, welches zur Aufrechterhaltung einer konstanten Spannung stetig austariert werden muss. Hierfür sorgen derzeit vor allem konventionelle Kraftwerke, die in Teillast betrieben werden oder schnell hochfahren können. Energetisch ist dies wenig effizient. Zudem stößt dieses Prinzip durch den zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien an seine Grenzen. Die Batterien einer großen Zahl von Elektroautos könnten als Netzpuffer künftig einen Teil dieser Ausgleichsfunktion übernehmen. Das Laden und/oder Puffern von Energie kann mittels intelligenter Zähler so ausgestaltet werden, dass eine Stromentnahme aus dem Netz vor allem dann stattfindet, wenn die sonstige Nachfrage gering ist und niedrigere Tarife möglich sind. In der Regel ist dies nachts der Fall, wenn die meisten Fahrzeuge ohnehin still stehen.

Aus diesen Gründen fördert die Bundesregierung Elektromobilität. Dabei investiert sie vor allem in Forschungs- und Entwicklungsprojekte, damit Elektroautos schon bald günstiger werden und die Batterien eine höhere Reichweite erreichen können. Daneben profitieren Elektroautos schon heute von einer Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer für 5 Jahre. Eine aktueller Gesetzesentwurf der Bundesregierung, der eine Verlängerung dieser Befreiung auf 10 Jahre vorsieht, befindet sich derzeit im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren. Gleichzeitig hat die Bundesregierung mit dem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013 einen Vorschlag gemacht, wie die derzeitigen Steuernachteile für die private Nutzung von Elektrofahrzeugen als Dienstwagen künftig beseitigt werden können. Denn aufgrund des höheren Anschaffungspreises sind für Elektrofahrzeuge bislang erheblich höhere Steuern für die private Nutzung eines Dienstwagens zu zahlen als für konventionelle Autos mit Verbrennungsmotor. Nach dem Gesetzesentwurf, der derzeit ebenfalls im Bundestag beraten wird, soll die Besteuerung zukünftig ungefähr vergleichbar ausfallen. [...]«




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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