German PV Market Briefing 2012 - Entscheider diskutieren über solare Zukunft

20.04.12  08:00 | Artikel: 954361 | News-Artikel (Red)

German PV Market Briefing 2012 - Entscheider diskutieren über solare ZukunftAm 18. April 2012 fand die Konferenz 'German PV Market Briefing 2012' in Frankfurt statt. Rund 100 Entscheider, Analysten und Experten waren bei dieser Veranstaltung anwesend, um die Zukunft der Photovoltaik zu besprechen.

Die Veranstaltung wurde von der Solarpraxis AG in Kooperation mit der EuPD Research organisiert und in den Räumlichkeiten der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchgeführt, die im neuen THE SQUAIRE am Frankfurter Flughafen residiert.

Karl-Heinz Remmers, Vorsitzender der Solarpraxis AG beschrieb in seiner Einführung den Wandel in der Photovoltaik. Schon in den ersten Minuten postulierte er eine Erhöhung der EEG-Umlage für Oktober 2012 und verwies in diesem Zusammenhang darauf, wie wichtig es für BSW-Mitglieder sei, an der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Kassel teilzunehmen.

Während der Veranstaltung wurden in verschiedenen Vorträgen und Paneldiskussionen folgende Einzelthemen aufgegriffen:

  • Der deutsche PV Markt 2012/H1 – Status Quo

  • Der Deutsche PV Markt 2012 H2 und 2013 – Herausforderungen

  • EEG im Wandel: Möglichkeiten und Grenzen der Direktvermarktung

  • Neue Geschäftsmodelle in Zeiten dezentraler Stromversorgung

  • Die Zukunft der Photovoltaikindustrie
Im ersten Vortrag ging Markus Lohr (EuPD Research) auf die aktuellen Zubauzahlen (2011) ein und erläuterte exakt die Verteilung auf verschiedene Regionen und Größenklassen. Tendenziell sei ein Einbruch im Segment der mittleren Anlagengrößen zu erkennen. Klein- und Großanlagen hätten hingegen zugelegt. Die Analyse gab recht tiefe Einblicke und hatte wesentlich mehr Aussagekraft, als die reine Auflistung der Zahlen, vor allem, weil diese durch entsprechende geografische Karten visualisiert wurden. Ein Teil der Analyse findet sich in der aktuellen Wattner-Studie, die von der EuPD Research erstellt worden ist.

Als Ausblick für dieses Jahr stellte Lohr dann die geschätzte Zubauleistung für 2012 vor, die von den anwesenden Teilnehmern auch realistisch eingeschätzt wurde: 6.300 MW. Dabei werden sowohl im Juni, als auch im September entsprechende Peaks erwartet.

Beim Thema 'Herausforderungen' rangierte das Thema Kosten natürlich ganz oben. Hierbei war sich das Plenum einig, das Modulpreise ebenso weiter fallen werden, wie die Systempreise. Zum zweiten Halbjahr 2012 werden ca. 1.100 €/kWp erwartet.

Karl-Heinz Remmers sieht bei den BoS-Kosten noch erhebliches Einsparpotential, vor allem, wenn ggf. auch neue Wege beschritten werden könnten. Im persönlichen Gespräch erklärte Remmers, dass die hauseigenen Ingenieure schon entsprechende Konzepte diskutieren. Dabei würden auch solche weiter verfolgt werden, die im ersten Ansatz eher ungewöhnlich klingen.

Im Bereich der Speichertechnologien waren sich die Anwesenden einig, dass diese mittelfristig zum Einsatz kommen. Derzeit sind zwar schon einige Technologien einsetzbar, die allerdings noch nicht für den Massenmarkt zur Verfügung stehen. Ein Boom bei Speichertechnologien wird dann erwartet, wenn die Einspeisevergütung komplett wegfällt bzw. das EEG gekippt wird. Ohne EEG wird der Einsatz von Speicherlösungen deutlich rentabler. Außerdem führt der Einsatz zu einer Entkopplung von den Strompreisen.

Zum Thema Direktvermarktungskonzepte stellte Johannes Lackmann das Konzept des eigenen Unternehmens, der Asselner Windkraft dar. Das Unternehmen betreibt bereits seit längerem Windkraftanlagen, die aus dem EEG herausgelöst wurden und verkauft die erzeugte Energie an lokale Kunden. Dabei zeigte er eine ganze Palette von Schritten auf, die es auf dem Weg zum eigenständigen Energieversorger zu erledigen gilt.

In diesem Zusammenhang wurde auch nochmals auf die Notwendigkeit von Speichern hingewiesen. Es wäre völlig unsinnig PV- oder Windkraftwerke herunter zu regeln bzw. abzuschalten, wenn das Netz diese Energie nicht mehr aufnehmen könne, jedoch gleichzeitig Gaskraftwerke zu Fernwärmeerzeugung nebenan laufen würden. Lackmann sprach hier davon, einen "20 MW-Tauchsieder ins Fernwärmenetz zu stecken", anstatt die Energie wegzuwerfen.

Remmers, bekannt für direkte Ansagen, postulierte während der Paneldiskussion, dass es bis Mitte des Jahres des öfteren negative Strompreise geben wird. Damit würden AKWs und Spitzenlastkraftwerke nutzlos rumstehen. Zudem kritisierte er vehement das derzeitige Börsenstrompreissystem.

In der Session 'neue Geschäftsmodelle' stellte Herbert Muders (juwi) das aktuell erarbeitete 'Mieterstrommodell' vor, das den Eigenverbrauch in Mehrfamilienhäusern in den Focus rückt. Kernaussage dabei war, das ein höherer Eigenstromverbrauch das EEG entlasten würde. Da Solarstrom mittlerweile immer günstiger wird, werde dieser auch für Gewerbekunden interessant.

Interessant war auch die Geschäftsidee des StartUp-Unternehmens DZ-4 aus Hamburg. Tobias Schütt erläuterte als Gründer das Konzept. Hier wolle man dem Kunden eine PV-Anlage ohne EEG-Bindung nebst Speicherlösung im Haus installieren. Das Unternehmen tritt dabei als Energieversorger auf und bietet seinen Kunden 10 Jahre lang beständig gleichbleibende Strompreise.

In der abschließenden Runde wurden einige Themen nochmals erörtert. Konsolidierung der Branche, Reorganisation, neue Geschäftsmodelle und Internationalisierung standen dabei im Vordergrund.

Bertold Mueller (KPMG) traf dabei eine signifikante Aussage:
die Zukunft der Photovoltaik müsse aktiv gestaltet werden.

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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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