Rechenspielerei: Googles grüne Gedanken

14.09.11  06:45 | Artikel: 953234 | News-Artikel (Red)

Rechenspielerei: Googles grüne GedankenGoogle ist nicht nur ein Suchgigant sondern auch einer der größten Stromabnehmer auf unserem Planeten. Die Rechenzentren verschlingen Unmengen an Energie. Trotzdem sieht sich Google als Grünes Unternehmen.

In den letzten Tagen gab es verschiedene Berichte zum Energieverbrauch des Internetkonzerns Google. Nach eigenen Angaben benötigte der Suchmaschinenbetreiber allein im Jahr 2010 insgesamt rund 2,26 Millionen Megawattstunden.

Google rühmt sich damit, das besonders effiziente Rechenzentren betrieben werden und das bereits ein Viertel der Energie aus kohlendioxidneutralen Quellen wie Laufwasser-, Wind- und Sonnenkraftwerken erzeugt wurde.

Allerdings sind die Angaben für die Verbrauchsmengen für den durchschnittlichen Bürger unhandlich und ungewohnt.
Wir möchten Ihnen ein kleines, vergleichendes Rechenbeispiel geben:

Die Energiemenge von 2,26 Millionen Megawattstunden kann, allein durch die Vorsilbe, durchaus unterschiedlich dargestellt werden.
Dann wären das z.B. handliche 2,26 TWh. Deutschland verbraucht im Jahr etwa 604 TWh. Damit wäre das ein Anteil von rund 0,37 Prozent bezogen auf Deutschland oder, global gerechnet, etwa 0,01 Prozent des weltweit produzierten Stroms.

Durchaus reelle Angaben. Allerdings kaum griffige, vorstellbare Zahlen, sofern man kein Energieversorgungsunternehmen ist. Andere Zahlen machen daher vielleicht ein wenig mehr Sinn.

Eine dreiköpfige Deutsche Familie benötigt pro Jahr etwa 4350 kWh und zahlt dafür, wenn man auch einen durchschnittlichen Anbieter heranzieht ca. 23,72 Cent pro kWh. Daraus ergibt sich bei 4350 kWh * 0,2372 EUR eine Stromrechnung von rund 1.031,00 EUR, was einem monatlichen Abschlag von ca. 86,00 EUR entspricht.

Setzt man diese Größen für den Verbrauch des Suchmaschinenbetreibers ein, so bekommt man einen genaueren Eindruck davon, was 2.260.000.000 kWh bedeuten.

Googles Verbrauch hätte demzufolge für ca. 520.000 Haushalte ausgereicht oder, rein auf die Einwohnerzahl bezogen, ganz Nürnberg mit Strom versorgen können.

Setzt man den gleichen Stromtarif voraus, so hätte das eine Jahresrechnung von 536.072.000,00 EUR ergeben; bei einem Abschlag von monatlich ca. 44,6 Mio. Euro.

Google hat in diesem Zusammenhang noch eine weitere Zahl veröffentlicht. 100 durchschnittliche Suchanfragen schlagen etwa mit 30 Wattstunden zu Buche. Das bedeutet umgerechnet, das es für 1 EUR etwa 14.000 Anfragen gibt.

Diese Zahlenspielereien machen es vielleicht etwas verständlicher.

(Quelle für Verbrauchswerte: Wikipedia)




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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