soziale Ärzte: Patientendaten tauchen in Facebook auf

27.05.11  07:00 | Artikel: 953177 | News-Artikel (Red)

soziale Ärzte: Patientendaten tauchen in Facebook auf
Dr. Peter Müller
Vorstand der
Stiftung Gesundheit
Auch Mediziner tummeln sich in sozialen Netzwerken wie Facebook. Allerdings sollten diese Berufsgruppen genauer hinsehen, wenn sie im Netz unterwegs sind. Jetzt sind Patientendaten in Facebook aufgetaucht. Peinlich, und die Folgen sind noch nicht absehbar.

Ärzte sind auch nur Menschen und können sich dem allgemeinen Hype sozialer Netzwerke wie Facebook nicht entziehen. Wird ein neuer Account angelegt, so fragt die Software des Netzwerkes gerne, ob denn z.B. ein Windows- oder Outlook-Adressbuch verwendet werden soll, um entsprechende 'Freunde' zu finden, die bereits im Netzwerk bekannt sind.
Aber viele Mediziner haben neben Namen und Kontaktdaten auch erweiterte Patienteninformationen hier gespeichert. Diese werden dann selbstverständlich vollständig von Facebook importiert und selbst unbekannte eMail-Adressen bleiben im Netzwerk - um Einladungen zu verschicken - gespeichert.

"Mehrere Ärzte haben sich schon darüber gewundert, dass ihre Patienten Einladungen zu Facebook erhielten, in denen ihnen andere Patienten mit Name und Bild als 'mögliche Bekannte, die schon auf Facebook sind' präsentiert wurden.", erklärte Johannes Caspar, der Datenschutzbeauftragte von Hamburg. Dies sei mit den aktuellen Datenschutzbestimmungen nicht vereinbar.

Caspar berichtet jetzt von mindestens einem Fall, bei dem dieses Szenario eingetreten ist. Er ruft in diesem Zusammenhang zur Vorsicht auf und spricht damit alle Personenkreise des Gesundheitswesens an, hier besondere Sorgfalt walten zu lassen.
Auf jeden Fall sollte davon abgesehen werden, dienstlich genutzte Rechner für Aktivitäten in sozialen Netzwerken zu nutzen.

Die Veröffentlichung von Patientendaten ist kein Kavaliersdelikt [vgl. §203(1) StGB]. Selbst die Nennung von Namen oder die Tatsache, dass eine Person überhaupt Kontakt mit einem Arzt hatte, fällt in Deutschland unter die ärztliche Schweigepflicht. Offenbar seien sich Ärzte nicht über das Risiko bewusst, erklärte Dr. Peter Müller vom Vorstand der 'Stiftung Gesundheit' in Rahmen eines Interviews mit der Zeitung CIO Healthcare-IT.

Welche Rechtsfolgen der bekannt gewordene Fall jetzt nach sich zieht, ist bisher noch nicht bekannt.

[Bild: Dr. Peter Müller vom Vorstand der Stiftung Gesundheit / © Stiftung Gesundheit]




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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