BITKOM warnt Bewerber: eigene Daten im Netz kontrollieren

15.11.10  08:00 | Artikel: 952091 | News-Artikel (Red)

BITKOM warnt Bewerber: eigene Daten im Netz kontrollierenViele Unternehmen informieren sich mittlerweile über Ihre Bewerber im Netz. Unachtsame Daten können dabei leicht ungewollte Effekte haben. Die Ergebnisse einer Umfrage und ein paar Tipps zum Umgang mit persönlichen Daten.

Lorenz Bergmeister war erstaunt, das ihm der Personalchef der Firma bei seinem Bewerbungsgespräch zum Sieg seiner Handballmannschaft gratulierte. Kein außergewöhnlicher Fall. Jeder zweite Personaler recherchiert mittlerweile im Netz nach potentiellen Bewerbern und jedes sechste Unternehmen sucht in sozialen Netzwerken wie XING, Facebook oder StudiVZ nach eben solchen.

Die harmlosen Glückwünsche sind dabei allerdings die eher positive Ausnahme. Viel zu unbedacht stellen viele Internetuser Informationen über sich ins Internet. Unvorteilhafte Bilder aus dem privaten Bereich, Daten und Zeiten von Unternehmungen und Erlebnissen oder teilweise nicht genau überlegte Kommentare in Blogs oder Presse können potentiellen Bewerbern schnell die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch ruinieren.

Derzeit gibt es noch keine rechtlichen Grundlagen für die Online-Recherche von Personalern. Die Bundesregierung plant zwar ein entsprechendes Gesetz, bei dem eine Suche nach Bewerbern nur noch in entsprechenden Suchmaschinen mit eindeutig professionellen Charakter erlaubt sein soll, aber wie eine entsprechende Kontrolle aussehen kann oder soll, steht noch in den Sternen.

Jeder ist selbst für seine Daten im Internet verantwortlich. Natürlich kann und muss man Beruf und Privatleben trennen. Aber hat ein ernstzunehmender Bewerber (45) auf eine Stelle als Regionalleiter einer Bank wirklich gute Chancen, wenn der Personalchef aktuelle Bilder der letzen Gartenparty im Netz findet, bei denen es nicht an leicht bekleideten jungen Damen fehlte und ebenso wenig an Promillerestriktionen?

Folgende Tipps sollten die Präsenz der eigenen Person im Netz verbessern. Aber Vorsicht: Keine Änderung passiert über Nacht.

Suchen Sie sich selbst im Netz. Google, Bing, Yahoo zeigen Ihnen mit ein paar Mausklicks, was das Netz über Sie kennt, ebenso wie z.B. die Personen-Suchmaschinen Yasni oder 123-People.

Stellen Sie nur Fotos ins online, bei denen Sie sicher sind, das diese auch tatsächlich jeder sehen darf. Vertrauen Sie dabei nicht allzu sehr auf die Sicherheits- oder Privatsphäre-Einstellungen der jeweiligen Netzbetreiber. Die Presse zeigt uns oft genug, dass dort Sicherheitslücken bestehen.

Fotos, die andere Personen von Ihnen ins Netz gestellt haben können Sie im Normalfall recht einfach entfernen lassen. Eine eMail mit dem Hinweis auf die Rechtslage sollte genügen.

Stellen Sie sicher, dass Sie Meinungen oder Kommentare in Blogs oder Foren einer eigenen Zensur unterwerfen. Die meisten dieser Einträge können problemlos öffentlich gelesen werden. Beleidigende Äußerungen sollten sowieso Tabu sein. Diese Einträge können je nach Betreiber übrigens über Jahre gespeichert werden. Hier sollte jedoch ein Zurückziehen eines Kommentars auch möglich sein.

Bauen Sie sich eine Netzidentität auf indem Sie gezielt nur die Informationen veröffentlichen, die Sie auch in Zukunft vertreten können. Damit beweisen Sie auf Dauer Kompetenz und Glaubwürdigkeit.

Und wenn Sie letztendlich Ihr Privatleben komplett trennen möchten, so wählen Sie für andere Aktivitäten im Netz ein entsprechendes Pseudonym. Diese sog. Nicknames sind mittlerweile etabliert und bieten einen relativ hohen Schutz an Privatsphäre.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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