Nachgefragt: Was ist eigentlich 'Cloud Computing'?

16.08.10  14:20 | Artikel: 952053 | Proteus Fach-Artikel

Begriffe wie 'Arbeiten in der Cloud', Cloud-Services oder eben auch 'Cloud Computing' sieht man heute an jeder zweiten Ecke im Internet. Die Internet Service Provider (ISP) oder auch große Unternehmen werben mit den Begrifflichkeiten oder geben an, dass sie solche Clouds nutzen. Ein Grund diesen Fachbegriff einmal näher zu beleuchten.

Cloud ist der englische Begriff für Wolke. Das heißt also, das beim Cloud Computing also in der Wolke gearbeitet wird. Frei übersetzt könnte man 'Rechnen in der Wolke' sagen. Aber was bedeutet das genau?

Cloud Computing ist heute eher eine IT-Strategie, die sich aus der Historie heraus entwickelt hat. In den 80er Jahren gab es schon so etwas wie 'Grid Computing'.
Grid Computing (Grid: englisch Gitter) ermöglichte durch Zusammenschaltung von Rechnern eine höhere Rechenleistung, als die, die im eigenen Netzwerk vorhanden war. Somit konnten komplexe, rechenintensive Vorgänge ausgelagert werden. Durch diese Auslagerung musste Rechenleistung jedoch quasi auch verkauft werden können, ebenso wie auf einmal der Wunsch nach entsprechende Software für die Nutzung der Rechenleistung da war.
Aus den Begriffen Utility-Computing (Verbrauchabhängige Abrechnung von IT-Diensten und Rechenleistung) und 'Software as a Service' (SaaS; Software als Dienst, also Abruf nach Bedarf) wurde dann das Ganze zusammengefasst und als Cloud Computing bezeichnet.


Diese Strategie ermöglicht es also Software, Hardware und damit Rechenleistung zu benutzen, wenn es diese benötigt werden. Das können sehr rechenintensive Vorgänge sein, mittlerweile jedoch sogar auch das hauseigene ERP-System, das in der Cloud betrieben wird. Damit ist es z.b. bei dezentralen Strukturen möglich, dass jeder Anwender - sofern ein Internetzugang vorhanden ist - sofort mit der Software und den Unternehmensdaten arbeiten kann.

Dabei ist die benötigte Leistung nahezu beliebig skalierbar. Anwendungen im Bereich von eMail-Services, Rechendiensten, Verarbeitung von Dokumenten oder auch Datenbankanwendungen sind heute gängige Praxis.



Ob für ein Unternehmen der Einsatz von Cloud Computing sinnvoll ist, kommt immer auf den Einzelfall an und erfordert eine genaue Analyse der Bedingungen. Allein der Gedanke, dass sich die Unternehmensdaten allerdings nicht mehr auf einem eigenen Server (im Keller) befinden, sondern irgendwo in der Wolke gespeichert werden, macht es vielen Betrieben im KMU-Umfeld recht schwer, sich mit solch einer Wolke anzufreunden. Hier liegt auch der Grund für die Bezeichnung Wolke.
Daten werden u.U. allein durch die Logik der Wolke auch dezentral gespeichert. Von außen betrachtet, weiß der Benutzer somit nicht wo physikalisch genau seine Daten liegen.
Theoretisch hätte man auch den Begriff Nebel verwenden können, da der Speicherort der Daten eben nicht absolut ist, allerdings macht der Begriff Cloud auch deutlich, dass es sich um eine Anhäufung handelt; eben aus einer Anzahl miteinander vernetzter IT-Systeme besteht.

Positiv an diesem Konzept ist sicherlich das enorme Einsparpotential, das sich aus der Auslagerung eigener IT-Services ergibt. Nicht nur Personalkosten können gesenkt werden sondern ebenso Investitionen, Lizenz- und Energiekosten.

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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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