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Solar-Branche: Höhen, Tiefen und Herausforderungen

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Solar-Branche: Höhen, Tiefen und Herausforderungen

Solar-Branche: Höhen, Tiefen und Herausforderungen[ein Kommentar von Björn-Lars Kuhn]
Noch vor zwei Jahren haben Vertreter der Solarbranche auf der Intersolar mit Anlagengrößen um sich geworfen, die jenseits von Gut und Böse lagen. 50, 60, 100 MW; jeder wollte in großem Stil Freilandanlagen bauen. Da wurde so mancher Kunde, der mit einer 5 MW-Anfrage kam, schon mal beiseite geschoben. Nicht sehr viele dieser großen Projekte wurden tatsächlich umgesetzt.

In den letzten zwei Jahren hat sich die Branche allerdings auf Ihre Kernkompetenzen besinnt und ist auf dem Boden der Realität angekommen. Die 5 MW-Projekte sind jetzt wieder durchaus interessant und auch kleinere werden gerne gebaut. Trotzdem haben wir in Deutschland allein im letzten Jahr einen Leistungszubau zu verzeichnen, der weltweit nahezu führend ist. Wir sind mit 27% auf den zweiten Platz gefallen gegenüber Italien mit 33%. Allerdings waren auch viele deutsche Unternehmen am Zubau in Italien beteiligt.

Trotzdem haben sich viele Unternehmen an diversen Projekten übernommen. Die jahrelange Euphorie wird jetzt durch die bereits seit längerem postulierte Konsolidierungsphase verdrängt. Erste Unternehmen haben Ihre Pforten schon geschlossen. Dafür drängen mittlerweile Modul- und Wechselrichterhersteller aus dem Ausland auf den Markt und bringen die nötigen Mittel für die Finanzierung oft gleich mit. Das Leben kann so schön sein.

Allerdings ist der Zubau solch gewaltiger Leistungen in Europa nicht für alle Beteiligten ein Grund zum Feiern. Die Energieversorgungsunternehmen (EVU) stehen der Energiewende schon seit längerem eher skeptisch gegenüber. An Argumenten gegen die Solarindustrie wird dabei nicht gespart. Gerade jetzt, Anfang des Jahres, hat es die EVU-Lobby wohl geschafft sich einige unserer Volksvertreter gefügig zu machen. Da merkt man erst so richtig, wie ernst unsere Regierung den Atomausstieg respektive die Energiewende nimmt. "Schweinedeals" nannte Karl-Heinz Remmers (Vorstandsvorsitzender Solarpraxis AG) das kürzlich in der Ausgabe 1.2012 der PHOTOVOLTAIK so treffend.

Für viele ist die Reaktion der EVUs nichts als nackte Panik. Wenn Argumente wie Leitungsüberlastung und Blackouts nicht so richtig ankommen, dann wird zum politisch etablierten letzen Mittel gegriffen: zur Drohung mit Entlassungen von ein paar tausend Mitarbeitern. Da hat man dann immer die volle Aufmerksamkeit unserer Politiker.

Die Rechnung der Konzerne und ihrer Vertreter ist ja relativ einfach gehalten. Erst die persönlichen Bezüge sichern, dann die Höhe der Dividende ausrechnen, bei der die Aktionäre noch zufrieden sind. Dann kann man recht simpel an den beiden Stellschrauben drehen: Strompreis und Mitarbeiter. Ob es den EVUs im Jahr 2011 so richtig schlecht ergangen ist, werden die Bilanzen zeigen. Immerhin haben die großen Vier für das Jahr 2010 annähernd 11,6 Mrd. Euro Dividende ausgeschüttet; sicherlich kein Kleingeld mehr. Hier muss jeder Aktionär für sich entscheiden, wie er ggf. auf die Frage seiner Enkel reagiert, warum wir denn nichts gegen Klimawandel und Ozonloch getan haben.

Proteus Solutions: Dividendenausschüttungen 2006-2010 der EVUs


Trotzdem werden die Panikreaktionen und politischen Manipulationen der EVUs langfristig in Deutschland kaum Erfolg haben.

Zum einen wird es eine Verlagerung ins Ausland geben. Deutsches Know-how ist weltweit gefragt und Staaten am Rande oder außerhalb der EU besinnen sich auch langsam auf ein gewisses Maß an Unabhängigkeit von den fossilen Brennstoffen.

Zum anderen lauert die größte Gefahr allerdings im eigenen Land. Längst sind nicht alle Dächer der privaten Haushalte mit Modulen bedeckt. Geht der Trend erst einmal zur Eigenstromversorgung mit Kleinstanlagen - ohne Einspeisevergütung - zur Deckung der Grundlast, so können die EVUs zwar immer noch Strom verkaufen, aber mittelfristige Einbußen von ggf. 20% lassen vermutlich auch diese kooperieren.

Der Markt wird so auch dieses Jahr spannend werden. Bis jetzt hat sich die Solarindustrie in der Vergangenheit recht gut behaupten können. Natürlich hat sie das eine oder andere Mal Federn gelassen, aber jede Niederlage bietet auch neue Möglichkeiten. Bei unseren Volksvertretern sind Atomausstieg und Energiewende vielleicht Euphemismen, die breite Öffentlichkeit steht allerdings schon seit längeren dahinter. Immerhin sind knapp 40% der erneuerbaren Energien in Hand von Privatpersonen. Die großen Vier stellen gerade Mal einen Anteil von 6,5%; genug um das grüne Image medienwirksam nach außen zu pflegen.


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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Leitartikel | Energiepolitik | erneuerbare Energien

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